Mein Bezug zu Quantified-Self: Selbsterfahrung dritter Teil

In meinem letzten Blog-Beitrag habe ich über das Belohnungssystem in meinem Gesundheits-App geschrieben und gestaunt, wie gut es bei mir funktioniert. Ich lasse mich relativ leicht überzeugen, noch eine Zusatzleistung zu vollbringen, wenn das Tagessoll noch nicht erreicht ist, und ich aus früheren Erfahrungen bereits weiss, dass ich dann ein schönes, neues Bild (einen „badge“) zur Belohnung erhalte. Das ist gerade so wie früher in der ersten Primarklasse: Wenn ich in mein Schreibheft schöne Zahlen malte, klebte mir mein lieber Lehrer lustige Bildchen von Schmetterlingen oder Glückskäfern drunter, und ich war glücklich.

Bild

Die Badges habe ich in Facebook geteilt, obwohl mir das auch ein bisschen peinlich war: So den „Erfolg“ zur Schau zu stellen und sich beglückwünschen zu lassen, hat etwas so Kindliches, etwas derart Bedürftiges, dass es für einen erwachsenen Menschen schon ein wenig entlarvend ist.

A propos entlarvend. Anlässlich der Präsentation unseres Themas vor der Klasse vom letzten Freitagmorgen überlegte ich lange, ob ich mein Withings-Profil demonstrieren soll. Es schaut ästhetisch sehr ansprechend aus und ergibt eine Fülle von Anzeigemöglichkeiten meiner Messresultate. Ich kann dort auch Listen exportieren, die ich bei Bedarf einer Ärztin oder Ernährungsberaterin zustellen kann. Eine solche Demonstration sollte eigentlich keine grosse Sache sein, wenn man weiss, dass gemäss einer Studie der WHO der BMI weltweit steigt und heute bereits ein Drittel der Menschheit mit Übergewicht (BMI über 25) kämpft. Zu denen gehöre ich auch.

Ich habe mich dagegen entschieden, denn ich wollte meine Larve lieber aufbehalten. So genau möchte ich einem mir bekannten Publikum meine ganz persönlichen „Kennzahlen“ nicht preisgeben. Dann ist es angenehmer, wenn mir völlig unbekannte Mitarbeitende von Withings, wo ich mich irrsinnigerweise mit meinem realen Namen angemeldet habe, über mich Bescheid wissen. Aber es ist ein Gedanke wert: Warum fürchtet man sich denn so vor der Entlarvung? Weil man Schwächen zugibt, Ungereimtheiten und Bedürftigkeit und sich damit angreifbar und verletzlich macht? Eine Welt wäre schön, wo das kein Problem wäre, aber es gibt sie leider nicht.

Autorin: Daniela

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