Lifelogging – über „Drohnenmütter“ und vermessene Hunde

Eine Kamera am Hemdkragen, die alle 3 Sekunden ein Bild schiesst? Wie wir schon bei einem früheren Beitrag von Daniela gesehen haben: Für Florian Schumacher ganz normal. Lifelogging nennt sich dieser Trend. Das menschliche Leben wird in Echtzeit erfasst, die Daten gespeichert und archiviert. Die Bilder werden so angelegt, dass man jederzeit darauf zugreifen kann, wie ein extrem detailliertes, digitales Tagebuch.

Stefan Selke, Professor für Soziologie und gesellschaftlichen Wandel, hat sich vertieft mit dem Thema Lifelogging befasst und unterscheidet drei Typen von Lifelogging (Selke, S. 177):

  • Körper- und Gesundheitsmonitoring (Self-Tracking)
  • An- und Abwesenheitsbestimmung (Human Tracking)
  • Unterwachung und Selbstverteidigung durch Daten (Sousveillance)

In diesem Blog-Beitrag möchte ich auf das von Stefan Selke als „Human Tracking“ benannte Überwachen von Personen und Dingen eingehen.

Beim „Human Tracking“ werden vor allem Ort- und Geodaten gesammelt. Dies tun beispielsweise Paketdienste, welche ihre Fahrzeuge mit Sendern ausstatten, um deren Aufenthaltsort zu überwachen.

Aber auch das Herumtreiben der Kinder und des eigenen Partners kann so kontrolliert werden. Hierzu ein lesenswerter Beitrag über „Drohnenmütter“ von Christa Wüthrich aus dem Tagesanzeiger vom 6.04.2014. Darin beschreibt Wüthrich, wie die Kinder einer Elite-Schule per Smart-Card vermessen und überwacht werden.

Ängstliche Eltern können mit Hilfe von Apps oder Uhren wie „Pocket Nanny“, „Familien-Tracker“ und „lok8u“, ihre Kinder beim „selbständigen“ Spielen überwachen. Die App alarmiert die Eltern, sobald sich das Kind ausserhalb der definierten „grünen Zone“ bewegt.

Und es gibt sogar Quantified-self für den Hund! Für mich als Hundehalterin ein Thema, das interessiert. „A knew way to connect with your dog“ wird mir auf der Webseite des Herstellers versprochen. Ein Sender am Halsband des Hundes misst seine Aktivität und soll seine Verhaltensmuster aufzeigen. Per App wird mir dann mitgeteilt, wie viel Bewegung der Hund hatte, wie viel Spiel- und Kuschelzeit und wie lange er geschlafen hat.

Ich muss zugeben, dass ich schon ein klein wenig daran Gefallen fände herauszufinden, was mein Lupo alles anstellt, während ich weg bin. „Whistle“ würde es mir mitteilen. Wie oft habe ich mich schon auf unseren Spaziergängen gefragt, wie viele Zusatzkilometer dieser Hund zurücklegt. Schliesslich rennt er so gern voraus, kommt wieder zurück, rennt voraus, schnüffelt mal links, mal rechts… Das wär schon spannend.

Aber dann schaffe ich es nicht, mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass mir mein Smartphone sagen könnte, es wäre jetzt wieder mal Zeit für einen Spaziergang. Wo bliebe denn da überhaupt noch der Sinn, ein Haustier zu halten, wenn mir doch die App sagt, was ich mit dem Tier zu tun habe? Das Reizvolle an der Mensch-Hund-Beziehung ist doch, dass wir zusammen in Kontakt treten und dass wir lernen, miteinander zu kommunizieren. Dies bitte durch direkten Kontakt und nicht über ein Computerprogram.

Heute wird alles digitalisiert. Briefe werden nicht mehr von Hand geschrieben, man mailt. Es wird nicht mehr in die Bibliothek gegangen, man „googelt“. E-Books ersetzen „richtige“ Bücher… aber mein Hund soll bitte Hund bleiben! Ohne digitalen Schnickschnack.

Autorin: Mirjam

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kritische Betrachtung abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s