Auf der Suche nach Glück

Meine Kollegin und Mit-Bloggerin Mirjam hat in ihrem vorletzten Beitrag „Aktuell – Krankenkassen nutzen QS-Daten!“ ein eindrückliches Beispiel aufgezeigt, wie die deutsche Krankenkasse DAK bereits heute ihre Versicherten ermuntert, ihr Gewicht und ihre körperlichen Aktivitäten aufzuzeichnen und dafür ordentliche Prämienvergünstigungen anbietet. Auch die Schweizer Rückversicherung Swiss Re in Zürich hat gemäss Digital vom 20. Februar dieses Jahres ihren Mitarbeitenden auf freiwilliger Basis einen Schrittzähler verteilt und die Aktion mit einem Wettbewerb verbunden. An gleicher Stelle wird berichtet, dass der britische Detailhändler Tesco seine Mitarbeitenden mit elektronischen Armbändern versorgt und damit ihre Effizienz während des Arbeitstages kontrolliert. Was, wenn bald die Böden unserer Arbeitgeber mit Sensoren versehen werden und jeder unserer Schritte und die Dauer des dortigen Verweilens gemessen werden kann, um festzuhalten, wie viel Zeit wir am Drucker, beim Kopierer, in der Kaffee-Ecke oder auf der Toilette verbringen?

Ein Vorteil solcher Fitness-Apps ist, dass sie einem Rückmeldung geben. Sie kritisieren einen („Sie haben 1.4 Kilogramm zugenommen!“) und loben: „Super! Sie haben die Gesamtstrecke von 170 km erreicht und erhalten den Badge „Bahamas“. Diese Entfernung entspricht der Länge der grössten Insel des Archipels. Sie müssen 200 km erreichen, um Ihren nächsten Badge zu erhalten.“ Diese Rückmeldungen kann man via Twitter oder Facebook twittern respektive posten, wodurch man sich mit seinen Followern oder Freunden messen kann.

Aber warum nun also tun wir das? Der Neurowissenschaftler und Hirnforscher Wolfram Schulz von der University of Cambridge hat herausgefunden, dass der Botenstoff Dopamin (das „Glückshormon“) nicht erst ausgeschüttet wird, wenn man eine Belohnung erhält, sondern bereits dann, wenn sie einem versprochen wird. Das machte sich gemäss Grasse/Greiner (2013, Seite 133) auch Facebook zunutze. Denn wenn man in Facebook die Nachricht erhält, man sei auf einem Foto markiert worden, kann man nicht anders, als nachzusehen, ob man auf vorteilhafte oder unvorteilhafte Weise abgelichtet wurde. Auch Online-Glücksspiele funktionieren nach diesem Prinzip: Man erhält einen Preis zugesprochen, weiss aber nicht, ob er gut oder schlecht, hoch oder tief ist. Man muss schon zwei- oder dreimal tief durchatmen, um der Versuchung zu widerstehen.

Das ist so, weil die Menschen trotz aller Zivilisiert- und Gebildetheit, trotz Reflexions- und (Quellen-) Kritikfähigkeit immer noch bedürftige Wesen sind, die sich freuen, wenn sie eine Rückmeldung erhalten und Beachtung finden, gar gelobt werden oder ihnen etwas Angenehmes in Aussicht gestellt wird. – So viel hat sich vielleicht in der Menschheitsgeschichte nicht verändert. – Das kann einen nun freuen oder einem auch Sorge bereiten.

Autorin: Daniela

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