Besser! …schneller! …schöner!

Welche Auswirkungen hat der Trend der Selbstvermessung auf unsere Gesellschaft?

Bei der Selbstvermessung geht es immer auch ein bisschen darum, seine „Daten“ zu verbessern. Bin ich gestern die Strecke in 45 Minuten gelaufen, sollte ich heute die gleiche Strecke in 42 Minuten schaffen. Ein Rückschritt ist nicht erlaubt. Schlagworte wie Selbstmanagement, Leistungssteigerung, Zeitoptimierung und Gesundheitsförderung beherrschen die Quantified Self-Szene. Jeder wird messbar und vergleichbar. Per App kann ich meine „Freunde“ herausfordern und konkurrieren.

Verändert sich mit der QS-Bewegung unser Denken, unsere Wertvorstellungen? Was ist mit jenen, die nicht auf den datensammelwütigen Zug aufgesprungen sind? Jene, die genüsslich eine Pizza „mampfen“ und am Abend deswegen nicht gleich die Hufe schwingen? Jene, die ihr Leben geniessen, ohne sich ständig mit sich oder anderen messen zu müssen?

Ich glaube schon, dass diese Fragen berechtigt sind. Denn ich bin der Meinung, dass zu viel Kontrolle krank machen kann. Wo bleibt da unsere Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit, wenn mir meine App sagt, dass ich heute meine 10’000 Schritte noch nicht gegangen bin – und mich auffordert, dies noch nachzuholen?

Auf einmal wird die Gesundheit und Leistungsfähigkeit eines Menschen messbar. Was vorher nur einem visuellen Bild oder einer Idee eines Ideals entsprach, kann heute in Zahlen festgehalten werden. Es ist wahrscheinlich unvermeidlich, dass sich damit auch die Wert- und Normvorstellungen unserer Gesellschaft verändern werden.

Ist ein Mensch, der nicht nach dem idealen Körper, nicht nach dem optimalsten Zeitmanagement strebt, ein weniger wertvoller Mensch?

Was ist mit Personen, die von sich aus schon Schwierigkeiten haben mit ihrer Selbstwahrnehmung? Treibt der Verbesserungswahn sie nicht noch mehr in die Verzweiflung? Ich denke da an unrealistische Schlankheitsideale, Störungen im Essverhalten und der Körperwahrnehmung usw.

Gerade junge Menschen interessieren sich für diese technischen, digitalen Selbstvermessungs-Tools (BITKOM, 2013). Jugendliche sind leicht lenkbar, empfänglich für neue Trends und können so in ihrer pubertären Selbstfindung stark beeinflusst werden. Ich kann mir gut vorstellen, wie junge Mädchen jede Mahlzeit in ihr Handy tippen, während sie mit Angst und Schrecken die Entwicklung der eingenommenen Kalorien beäugen.

Autorin: Mirjam

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