Gesammelte Gesundheitsdaten – Segen oder Fluch?

Der Markt der „Gesundheits-Apps“ boomt. Laut einer Umfrage des BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.) nutzen bereits 13% ein Gerät, welches ihre Bewegungen registriert, Schritte zählt oder die Qualität des eigenen Schlafes misst (BITKOM, 2013). Die Umfrage zeigt, dass es vor allem jüngere Personen sind, welche sich für Fitness-Tracker interessieren. Unter den 14- bis 29-Jährigen nutzen bereits 21% ein solches Gerät. Da mehr als die Hälfte der Befragten diese neuen Geräte noch gar nicht kennen, aber ein grosses Interesse dafür zeigten, spricht man dem Markt für Fitness- und Gesundheits-Apps ein riesiges Wachstumspotential zu (BITKOM, 2013).

Bereits hat sich der Trend auch in der Gesundheitsbranche bekannt gemacht. Wer täglich seine Vitalwerte misst, über Puls, Blutdruck, Gewicht und die Qualität des Schlafes Buch führt, sammelt eine Menge, wohlmöglich lebenswichtiger Daten. Kein Wunder lecken sich Ärzte und Pharmaunternehmen die Finger angesichts der frei verfügbaren Daten. Prof. Dr. Roland Trill, Leiter des Fachbereichs „Krankenhausmanagement und eHealth“ der Fachhochschule Flensburg in Deutschland, bestätigt denn auch, dass der Selbstvermessungs-Trend ein ernstzunehmendes Thema ist. Er sieht in der gesundheitlichen Selbstvermessung eine grosse Chance. Die ärztliche Diagnostik könnte sich durch das Einbeziehen der erfassten Gesundheitswerte deutlich verbessern. Dass Patienten ihre gesammelten Werte via Smartphone mit in die Sprechstunde bringen, ist längst kein Zukunftstraum mehr: „Telemonotoring“ ist das neue Zauberwort. Damit können zum Beispiel Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz ihre Werte selbständig überprüfen. Der Patient selbst kontrolliert dabei seine Herzfrequenz und lernt seine Krankheit dadurch besser verstehen (Willibald, 2012). Das kann durchaus positiv gewertet werden.

Auch die Pharmabranche hat das grosse Potenzial des Self-Tracking-Trends erkannt. Sie bietet Portale, wie PatientsLikeMe.com an, auf denen sich Patienten über ihre Krankheit austauschen können (Willibald, 2012). Dort tauschen sie ihre Gesundheitswerte, Schmerztabellen, physische und psychische Befindlichkeiten und vernetzen sich mit anderen Patienten und deren Erfahrungen. Dies im Sinne von: „Ich bin nicht alleine mit meiner Krankheit. Es gibt andere, denen es ähnlich geht.“ Auch das kann durchaus positiv betrachtet werden. Doch darf dabei ein wichtiger Punkt nicht vernachlässigt werden: Datenschutz! Auf den meisten dieser Plattformen sind die Daten der Patienten öffentlich einsehbar. Zusätzlich empfinde ich die Tatsache besonders fragwürdig, dass diese Plattformen nicht von Leuten aus der Quantified-Self-Szene betrieben werden, sondern von Pharmaunternehmen.

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Autorin: Mirjam

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